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New Interview with Gunther Laudahn

 

 

M: Ja und in dem Fall kann man dann natürlich auch deutsches Liedgut wie zum Beispiel Unheilig mit Geboren um zu Leben in die Welt hinaus tragen, sozusagen. G: Ja genau. M: Das Cover hast Du wahrscheinlich schon gesehen, das ist ja der Hammer. Bist Du das?

G: (Lacht) Ich weiß nicht ob das ein 'Betriebsgeheimnis' ist, aber alle Typen die da auf dem Cover zu sehen sind, das bin ich.

 

M: Verrückt. Ich habe mir dieses Gesicht angeschaut und dann dachte ich: "Das könnte echt Gunther sein".

G: Ja die Bilder kommen aus einer Fotosession... wir hatten das mal gemacht weil wir wissen wollten, wie so etwas ankommt und wie man das mit den Fackeln und dem Blitzlicht so kommunizieren kann. Ich weiß gar nicht ob das ursprünglich ein Test sein sollte. Auf jeden Fall haben wir eine Reihe von Aufnahmen gemacht und dann hat der Chief dort ein paar Fotos zusammengeschnitten und dann haben wir alle gesagt: 'Alter, das müssen wir als Cover nehmen. Das sieht ja eh keiner dass das Gunther ist'...

 

M: Wie, glaubst Du, wird das Album bei den Fans ankommen?

G: Also ich finde, es ist sehr, sehr gut geworden. Und zwar in jeder Hinsicht. Von der Songauswahl ist es teilweise ziemlich Heavy aber ich finde nicht zu Heavy und ich bin auch der festen Überzeugung, dass es bei den Fans ebenfalls sehr gut ankommen wird.

 

M: The Dark Side hatte ja schon, wenn man sich die Alben davor und danach anschaut, einen sehr großen Erfolg. Glaubst Du das neue Album wird besser sein als das letzte?

G: Oh. Da müsste ich ja über das letzte Album urteilen. Das würde ich natürlich ungern machen, weil auf dem letzten Album einige sehr schöne Stücke drauf waren. Auf der anderen Seite muss ich sagen, wenn ich irgendetwas kritisieren sollte und die Freiheit nehme ich mir jetzt mal einfach, ist, dass das letzte Album sich nicht so ganz festlegen konnte, ob es eher ein typisches Rock Album werden wollte, oder ob es noch in die klassische Gregorian und Ambient Richtung gehen sollte. Das konnte sich da nicht so ganz entscheiden und dieses Konzept merkt man dann schon ein wenig, finde ich.

 

M: Du hast ja auf dem neuem Album auch wieder einige Songs produziert. Welche sind das?

G: Das war zum einen ein Song den ich mit Frank zusammen geschrieben habe; der heißt 'My Heart Is Burning' und dann hatte ich Frank -allerdings schon beim letzten Dark Side Album- eine Nummer vorgespielt, die heißt 'Dark Angel'. Ich hatte sie mal als Demo aufgenommen mit einer tief gepitschten Stimme bei meinem Projekt "Die Gesellschaft Der Schwarzen Orchidee". Das ist aber nicht so ein echtes Projekt, es ist nicht richtig veröffentlicht, es ist halt mein Spaßprojekt mit dem ich ein wenig rumspiele und auch gerade ein Buch darüber schreibe über die Erfahrungen, die ich damit gemacht habe. Aber das nur am Rande. Auf jeden Fall hatte Frank das damals schon gehört und hat gesagt: 'geile Nummer, das machen wir fürs nächste Dark Side Album', und wie man sieht hat er zu seinem Wort gestanden.

 

M: Hast Du schon die Möglichkeit gehabt, in 'Born To Feel Alive' welches ja im Original von Unheilig stammt rein zu hören; und kannst Du uns evtl. ein wenig davon erzählen?

G: Wir fanden alle diese Nummer von Unheilig super. Scheinbar auch sehr viele andere Leute. Frank hatte dann die Idee, dass wir das unbedingt mit Gregorian in einer englischen Adaption machen müssen. Der Graf hat uns das freundlicherweise gestattet, hat das also alles genehmigt, aber ich war mir nicht sicher ob das 'ne geile Idee ist den Song so zu interpretieren, da die Art, wie der Graf singt, im Original natürlich ganz anders ist. Man kann praktisch an einigen Stellen die Melodie gar nicht wirklich raus hören, weil er ja teilweise fast spricht. Da stellt sich die Frage, wie das hinterher klingt, wenn man so etwas für die Mönche umarrangiert. Ich habe die Noten dann mit nach London genommen weil ich das für Frank aufgenommen hatte; er selber hatte da keine Zeit. Ich habe seine drei Produktionen für ihn anschließend recordet und als die Jungs das gesungen haben ist uns sofort klar geworden, dass das ein absoluter Burner ist, vor allem auch mit dem Kinderchor am Ende! Es ist eine ziemlich genaue Adaption des Originals von Unheilig, aber wie gesagt eben mit Gregorian in deren Stimmfarbe. Das Ganze ist echt super geworden.

 

M: Da sind wir ja mal sehr gespannt darauf wie das Ganze dann klingen wird. Die Idee, Geboren um zu Leben mit aufs Album zu nehmen, kam ja erst relativ spät wie ich gehört habe, musstet Ihr da nochmal extra ins Studio nach London oder konntet Ihr das mit in der Session aufnehmen?

G: Wir haben das in derselben Session aufgenommen. Schon vor unserer Aufnahmesession in London war klar, dass wir das machen würden. Ich glaube ich bin an einem Sonntag Nachmittag geflogen und Samstag Nacht saßen wir noch bis drei Uhr im Studio bei Frank und haben Noten bearbeitet und alles mögliche. Frank ist da genauso wie ich kein Notist. Also wir können schon ein bisschen Noten ablesen, aber wir können nicht so frei vom Blatt lesen. Muss man ja auch nicht unbedingt wenn man produzieren will, man muss nur hören können was gut klingt. Wenn wir jedoch solche Sachen vorbereiten, dann müssen wir uns schon verdammt Mühe geben dass das gut wird, weil die Jungs alle Noten lesen können und wir uns natürlich keine Patzer erlauben dürfen. Da haben wir wie gesagt bis nachts um 3 mit Frank zusammen gesessen und Alex Pfeffer und wir haben die Noten vorbereitet die ich dann am nächsten Tag mit nach London nehmen sollte, es war also schon sehr knapp.

 

M: Wie glaubst Du hat sich Gregorian in den letzten Jahren musikalisch weiterentwickelt?

G: Also ich glaube -das hatte ich aber als wir das letzte Mal ein Interview machten auch schon erwähnt- dass wir natürlich durch die Erfahrung der vielen Alben insgesamt ein besseres Händchen dafür bekommen, passende Songs auszuwählen. Man weiß dann einfach welche Songs zu den Jungs passen oder welche Songs für Gregorian nicht so leicht zu adaptieren sind oder nicht diese Stimmung bekommen. Die Sänger sind natürlich inzwischen auch durch die enorme Routine von über 150 Studioaufnahmen, die sie gemacht haben, total in dem Thema drin. Also auf Fingerschnippsen hast Du da diesen Gregorian Sound. Die sehen in den Noten was da gemeint ist, räuspern sich einmal kurz, stimmen einen Ton an und dann geht es los und Du hast sofort diesen Sound und das ist tierisch eingeschliffen. Naja, ansonsten ist die musikalische Entwicklung meiner Ansicht nach so, dass man inzwischen festgestellt hat, wie weit gefächert eigentlich das Repertoire sein kann. Ich glaube Frank hat dieses Dark Side Album für ein großes Wagnis gehalten. Ich kann mir vorstellen dass er da gedacht hat 'na vielleicht verschrecken wir damit die Leute', dann haben wir aber festgestellt: Im Gegenteil, wir erreichen damit sogar Leute die normalerweise diese Musik nicht hören würden. Sie hören sie bei Gregorian und bekommen also auch einen Zugang zu dieser Musik. Also muss man eigentlich sagen dass Gregorian ideal ist, um alle möglichen Stilarten kennen zu lernen. Dadurch entwickelt sich ein breiteres Repertoire und das ist auch eine starke musikalische Weiterentwicklung.

 

M: Genial wäre ja auch zum Beispiel so eine Art "Classical Chant", man könnte etwa Beethoven, Brahms usw.. vertonen und vertexten und das dann mit Gregorian auf 'ne Platte bringen.

G: Das finde ich eine super Idee aber das ist natürlich irre schwierig, ne? Frank macht mit Sarah Brightman immer relativ häufig so'n Zeug wo einfach klassische Motive mit der Gesangsmelodie versehen werden. Er forscht da immer in dem Repertoire was möglich wäre und ich glaube, er hat alles was er für umsetzbar hält, schon mit Sarah gemacht. Aber das heißt ja nicht dass nur das möglich ist. Man kann ja auch mal Sachen machen die ungewöhnlich sind, die in einem anderen Gewand plötzlich anders erscheinen. Ich erinnere mich noch daran: Ich sollte das Ave Maria von Schubert machen für das Weihnachtsalbum. Es gab da eine Aufnahme vom Royal Philharmonic Orchestra die wollte ich aber nicht, die fand ich nicht gut. Ich habe dann zu Frank gesagt dass ich das lieber mit Kirchenorgel und mit einem Boy-Sopran machen will. Frank sagte dann: 'Sag mal haste nicht mehr alle Tassen im Schrank? Das ist das Royal Philharmonic Orchestra! Verstehst du Alter, das ist kein Scheiß!' Ich hab dann gesagt: 'Ja ich weiß, aber ich will es trotzdem nicht'. Er hat später meine Version gehört... wir haben dann die Royal Philharmonicer ganz zum Schluss für die letzten 8 Takte mit rein geblendet aber der Rest ist genau so wie ich das wollte, mit dem Boy-Sopran Julian Clement und Kirchenorgel. Frankie war total begeistert davon und hat mir das auch gesagt. Er hätte nicht gedacht, dass das so gut wird. Man kann ihn also auf jeden Fall überzeugen wenn man eine gute Idee hat.

 

M: Ihr habt ja diesmal eine ganz große Sängerin mit im Boot und zwar Alanah Myles. Darfst Du uns verraten auf welchem Track sie singt?

G: Ich weiß dass sie auf 3 Tracks aufgenommen wurde. Ich kann Dir aber leider nicht sagen auf welchem sie jetzt singt, ich habe das Album nämlich noch nicht. Ich weiß nur, wir haben sie aufgenommen. Sie sollte eigentlich bei einem Song, der hieß Sinners and Chains mitsingen, der ist jetzt aber nicht mit auf dem Album und sie hat noch bei 2 anderen Nummern gesungen. Ich weiß jetzt aber nicht... bei einem Song haben die ihren Gesang nochmal ausgetauscht weil sie den Song nicht so gut fanden. Das hat dann doch einer der Mönche gesungen. Ich habe die Nummer mit ihr nicht gehört muss ich sagen. Ich war zwar bei Marko dabei und ich habe eine Hälfte des Albums gehört. Ich glaube jedoch, sie ist nur auf einer Nummer da drauf aber ich weiß nicht welche das ist. Sorry.

 

M: Na gut. Vielleicht hört man es dann ja aus dem Album raus wenn man es endlich in Händen hält. Kannst Du uns ein paar Eindrücke schildern wie die Albumaufnahmen verlaufen sind?

G: Die Albumaufnahmen verlaufen normalerweise relativ ähnlich. Wir treffen uns, haben eine Titelauswahl die Frank dabei hat, jeder hat dann noch eigene Vorschläge dazu. In meinem Fall hatte ich da einen Vorschlag von einer Nummer einer australischen Band, die ich machen wollte, das wollte aber Frank nicht so gerne. Er fand aber die Stimmung in der Nummer sehr schön und hat dann gesagt: 'Pass mal auf; wollen wir nicht mal versuchen, dass wir so etwas ähnliches schreiben können, also nicht die Band kopieren sondern diese Stimmung irgendwie einfangen und etwas eigenes daraus produzieren?' Das haben wir dann auch gemacht. Auf diese Art und Weise ist ein eigener Song entstanden, den Frank und ich geschrieben haben. Ansonsten hat er wie gesagt einige Sachen auf dem Zettel von denen er meint, das müssten wir unbedingt machen das fände er unheimlich gut. Weiterhin gibt es Sachen wo er sagt: 'müsste man mal ausprobieren', diese werden aufgeteilt auf die Leute die das dann später ausführen. Das sind normalerweise Carsten Heusmann und Jan-Eric Kohrs, die beiden sind ja vom ursprünglichen Produktionsteam. Ich mache immer so ein bisschen Edditional-Production, Alex Pfeffer hat auf dem letzten Album und auf diesem mit Frank zusammen einige Sachen selber durchgeführt. Wir machen dann erst einmal Demos, danach hört Frank schon mal rein, damit er ungefähr eine Vorstellung bekommt, wie das später klingen kann mit Gregorian. Ich bin da immer ein wenig im Vorteil; weil ich ja selber singe kann ich schon ganz gute Demos mit leicht gregorianisch angehauchtem Gesang machen und habe dann immer eine ganz gute Chance meine Titel auch durch zu bringen. So, dann wird festgehalten, welche Titel man in London aufnimmt, danach werden die Noten vorbereitet, anschließend geht's nach London. Dort trifft man die Sänger im Angel Studio und es kommt zum Key Checking, das heißt man muss die Tonart ausprobieren bei der sie am besten klingen. Dazu haben dann immer alle ihren Laptop dabei, sowie ein kleines Musikprogramm und es entsteht ein ganz ganz einfaches Playback. Das klingt noch lange nicht so wie es nachher klingen wird. Wichtig ist, dass die Leute den Takt gut erkennen können und dass sie einen guten Flächensound haben, bei dem sie die Tonart raus hören. Alles andere ist hier eigentlich störend wenn man schon groß rumarrangiert hat. So, dann muss man gucken ob sie das so singen können oder ob man einen Ton tiefer muss oder vielleicht sogar eine ganze Terz tiefer. Das Ganze dauert dann normalerweise einen halben Probetag bis man alle Nummern durch hat, dann wird in mehreren Sessions aufgenommen. Die Sessions sind immer 3 Stunden lang; die nehmen das sehr genau mit ihren Zeiten. da achtet der Agent stark darauf. Das ist in England einfach üblich weil es ja allesamt Profimusiker sind, da wird das meistens so gemacht. Dann entstehen die Stücke und während diese eingesungen werden, kommen teilweise zusätzliche Ideen für zweite Stimmen. Manchmal hat man das schon vorher ein bisschen vorbereitet aber manchmal hört man einfach... ja, man muss einfach die Klangfarbe der Sänger hören dann denkt man auch: 'ach wäre das toll wenn die da noch einen tiefen Bogen drüber machen, können wir das schnell nochmal irgendwie aufschreiben?'. Bei einigen Sachen stellt man auch fest, während sie das singen: 'das geht nicht, das hat zu viele schnelle Bewegungen, die sind mit dem Chor so nicht umsetzbar'. Also die können nicht Funky singen sagen wir mal so, wir haben dann versucht Gregorian zu einem funky Gesang zu machen, aber der ist eigentlich zum Scheitern verurteilt. Manchmal stellt man aber auch fest dass eine Nummer, von der man dachte die würde noch gehen trotzdem nicht funktioniert, weil die einfach diese Stimmung nicht bekommt. Andere Nummern wiederum sind total überraschend, also 'Dark Angel' beispielsweise. Die habe ich mit den Mönchen aufgenommen, da hatten wir uns eigentlich nicht viel davon versprochen. Aber weil es nur 12 Zeilen hat, hat Frank gesagt: 'komm, wenn Du 20 Minuten Zeit hast nimm das doch mal mit, dann können wir gucken ob wir vielleicht noch irgendwas daraus machen...' und während die das gesungen haben, wussten wir alle 'Das ist der Burner' das steht den Jungs so unheimlich gut; diese Nummer wird mit Sicherheit aufs Album drauf kommen. Naja, danach wird an diesen Gesängen noch weitergearbeitet, dann geht jeder wieder in sein eigenes Studio, dort bereitet jeder seine Sachen vor. Wir haben da ein bisschen Aufgabenteilung, also jeder hat so seine Spezialgebiete wobei Frank es besonders schätzt, das derjenige da und da das macht. Deshalb bekommt jeder seine unterschiedliche Aufgabenstellung. Dann wird der Gesang in dieses Arrangement das ursprünglich als Demo da war, was Frank dann auch schon abgenickt hat, also schon gut fand, eingebettet. In aller Regel muss dann vieles nochmal neu gespielt werden, weil das normalerweise in der neuen Tonart ist, da die Sänger nicht die originale Tonart singen, sondern andere Tonarten. Dann geht's in die Endrunde, es wird fertig produziert und dann fallen auch schon mal 2-3 Songs raus und am Ende hat man dann so... also in diesem Fall hatten wir zum Schluss ein Repertoire von über 20 Titeln die wir aufgenommen haben, bei denen praktisch alles funktioniert hat. Das war für Frank sehr sehr schwierig zu entscheiden, welche Nummern denn jetzt aufs Album drauf sollen. Wir haben sogar überlegt, ob wir ein Doppelalbum machen sollen aber ich persönlich war dagegen, weil ich denke, wir machen lieber 12-13 Stücke und machen die richtig gut und richtig geile Interludes, als dass wir da 30 Nummern auf Pfusch machen und dann das Ganze so raus schießen nur um zu sagen: 'Geil, jetzt haben wir ein Doppelalbum da haben wir mehr davon'. Das ist nicht so meine Philosophie. Ich glaube gerade bei Gregorian zählt die Qualität mehr.

 

M: Ja, zu den Interludes wollte ich auch noch kommen. Ich habe gesehen die Interludes betreffen dieses mal Horrorfilme...

G: Ja... (lacht) Ja das passt halt zu dieser 'Dark Side' CD wir spielen aber nicht Musik aus Horrorfilmen direkt nach, sondern es ist einfach eine Idee um ihnen mal schöne Namen zu geben, damit die nicht heißen "Gregorian Interlude 1" "Gregorian Interlude 2" usw.. Sondern dass sie mal einen Namen haben.

 

M: In Deiner langen Musikkarriere gab es ja auch einige Meilensteine oder auch alles entscheidende Momente. An welchen Gänsehautmoment erinnerst Du Dich am liebsten zurück?

G: Oh... Gänsehautmoment... Das ist recht schwer zu sagen. Also sagen wir mal so... es gibt Momente, bei denen ich im Nachhinein eine Gänsehaut bekomme, sobald ich an sie denke. Wenn irgendetwas richtig toll ist und super geklappt hat, dann dauert es bei mir immer ein wenig, bis ich das komplett verarbeite und mir das so richtig bewusst wird. Normalerweise bin ich während ich den Job mache immer noch unheimlich konzentriert und zu sehr am Nachdenken, dass auch alles perfekt wird. Manchmal merke ich gar nicht richtig, dass das gerade eine riesige Performance war. Ich erinnere mich zum Beispiel noch ganz genau an Gregorian in Byblos im Libanon auf dem Byblos Music Festival, das ist einmal im Jahr immer eine Woche lang. Wir haben dort mit Gregorian -ich glaube 2006- 2 Tage hintereinander gespielt und es waren beide Tage ausverkauft. Es ist das älteste Amphitheater der Welt und wurde von den Phöniziern erbaut. Heute steht es natürlich nicht mehr; die Römer haben irgendwann eine Burg darauf gebaut; von der ist auch nur noch eine Mauer vorhanden, aber davor ist noch das Gelände von diesem Amphitheater. Das Publikum sitzt noch da wo früher die alten Steinbänke gewesen sind; da passen ca. 3000 Leute rein. Das ganze ist direkt unten am Meer, man hat einen herrlichen Ausblick, vor allem weil die Sonne in diesen Mittelmeerländern immer relativ schnell untergeht. Ich glaube, wir waren im August da und es war brüllend heiß. Der Libanon ist übrigens zur Hälfte muslimisch und zur Hälfte christlich, aber die Anhänger der beiden Glaubensrichtungen verstehen sich sehr gut. Solange jedoch die Sänger -besser gesagt die Gebetssprecher- von den Minaretten noch ihre Gebete ausrufen, solange fängt noch kein Open Air Konzert an. Aus Höflichkeit und Respekt wartet man einfach bis sie fertig sind und so haben wir es natürlich auch gemacht. Dann hallten diese Minarettgesänge über die ganze Stadt, überall hörte man zur gleichen Zeit die Minarettsänger, die dieselben Gebete ausriefen. Das kam dann immer so versetzt an, wie ein irres Echo das aus allen Ecken kommt, es ist eine ganz eigenartige Stimmung. Als es so langsam abebbte, hörte man ganz hinten im Tal noch einen singen, dann verstummte auch er und wir begannen mit Brothers in Arms sozusagen in diese Stille hinein zu spielen. Die Sonne war gerade untergegangen, es wurde dunkel, die Scheinwerfer gingen an... das war echt ne tierische Atmosphäre.

 

M: Ja, das wurde ja auch aufgenommen. Ich weiß gar nicht... ich glaube da gabs mal einen Bonus auf irgendeiner DVD, ich denke auf der Kreuzenstein war das... es war qualitativ wohl nicht so gut als dass man das Ganze als DVD hätte veröffentlichen können...

G: Ja, das hat das libanesische Fernsehen gemacht, die haben sich sehr viel Mühe gegeben, aber bei denen ist das von den Farben her total übersteuert wenn die solche Dokumentationen machen. Das finden die cool. Auch bei den arabischen MTV Sendern, die sind so kreischend bunt, dass Dir davon echt die Augen weh tun. Die finden das toll und das wird in Richtung Indien immer mehr. Naja, unser Geschmack war das natürlich nicht so richtig, wir haben das gesehen und gesagt: 'Sag mal Alter...was soll denn dieses Rot da' oder so... jedenfalls war es für unsere Zwecke nicht geeignet. Dort ist halt einfach eine andere Kultur.

 

M: Wir wollen mal zu Dir übergehen... Du hast ja auch ein Projekt am Laufen und zwar Sweet Sister Pain, ich habe gehört dass da demnächst ein Album veröffentlicht wird?

G: Ja stimmt, demnächst wird ein Album veröffentlicht und zwar am 22. Oktober auf dem Danse Macabre Records Label und das wird heißen "The Seven Years Of Blood And Honey" Wir haben jetzt die letzten 3 Monate sozusagen parallel zu Gregorian produziert und es ist sehr gut geworden. Gerade letzte Woche habe ich das Master abgeholt bei Master & Servant bei Tom Meyer, der auch unsere Gregorian-Sachen immer mastert und ich bin richtig begeistert. Das sage ich nicht weil es mein eigenes Album ist; ich bin da sehr kritisch auch meinen eigenen Sachen gegenüber; aber das ist wirklich großartig geworden.

 

M: Gibt es Orte oder Situationen in denen Du besonders kreativ arbeiten kannst?

G: (Überlegt) Mh. Das würde ich eigentlich so nicht sagen... das Ding ist, ich bin da relativ ungebunden von den Orten. Ich habe manchmal eine Idee von der ich denke, ich müsste daraus was machen und dann ist es mir eigentlich wurscht ob das im Hotelzimmer ist oder im Bus oder irgendwie im Restaurant oder sonstwo. Dann nehme ich mir Stift und Papier und schreibe mal ganz schnell ein paar Dinge auf, die ich mir merken wollte. Ansonsten... kreativ... eigentlich immer wenn man irgendwo eine Gitarre in der Hand hat und dazu singen kann. Ich sitze normalerweise nicht im Studio, mach da ne Drum-Loop an, hör irgendwie nen Groove und so weiter und versuche dann darauf irgendeine Melodie zu machen und auf diese wiederum einen Text, sondern bei mir ist das dann imer eine Einheit aus allen Elementen. Das muss sich in der Stimme gut anfühlen, dazu gehören schon ein paar Worte und dann kann man ein paar Akkorde ausprobieren die zu den Worten besonders gut passen. Das ist eigentlich meine Art kreativ zu sein. M: Gibt es Künstler mit denen Du z.B. in Zusammenhang mit Sweet Sister Pain mal gerne zusammenarbeiten würdest? Ja. Was wir jetzt gerade zum Beispiel gemacht haben, das hat uns sehr großen Spaß gemacht; Sascha Konietzko von KMFDM (Kein Mehrheit Für Die Mitleid ) hat einen Remix aus einer Nummer von uns gemacht. In diesem Zusammenhang waren wir bei Sascha mal zuhause, haben mit ihm ein bisschen geschnackt und uns so seine Welt angehört; das ist ja eine ganz andere Baustelle als das was wir machen. Er hat uns bei dieser Gelegenheit mal eingeladen, das Vorprogramm für seine Band zu spielen, wenn er in Hamburg auftritt. Naja, das haben wir gemacht und haben ehrlich gesagt am Anfang ziemlich muffensausen gehabt weil wir uns gesagt haben 'oh oh die machen ja ganz schön Hardcoreartiges Zeugs mit viel Electro und Metallic; die Fans, die hierhin kommen, werden uns wahrscheinlich nicht mögen. Am Ende war das aber überhaupt nicht so, ganz im Gegenteil. Der Gitarrist von KMFDM sagte dann dass unsere Musik wie dieses Yin und Yang ist, also einmal dieses meditative wie in Slow-Motion und danach dieses rockige; das wäre eine total gute Kombination. Wir überlegen nun, ob wir einmal etwas zusammen machen können. Naja, ansonsten... wir haben ja eine eigene Version von 'Mad World' auf dem Album drauf. Dafür hat Charlie ja ein ganz supertolles Cello Quartett geschrieben, das ja auch schon in einer anderen Version von 'Mad World' auf dem Gregorian Album zu hören ist. Dieses würde ich unheimlich gerne mal von Apocalyptica gespielt haben. Da müsste man die mal fragen: 'Freunde der Sonne, wie sieht's aus?' oder so... Die sind im Moment glaube ich in den USA auf Tournee, zurzeit braucht man da wahrscheinlich nicht anfragen, aber vielleicht später irgendwann...

 

M: Ja, vielleicht klappt sowas ja mal... Eine kleine Abschlussfrage habe ich noch; und zwar, welche Ziele hast Du sonst noch so für 2010/2011?

G: Viele. Also das nächste was ich machen werde: ich fahre jetzt nächste Woche mit Sarah Brightman nach Kanada zu den Produktionsproben für eine Orchestertournee, die wir dann in Asien machen. Von Kanada aus fahren wir nach Asien weiter und touren dann dort 4 Wochen. Außerdem habe ich jetzt für meine HD Kamera ein Steadycam-Stativ gekauft, welches ich seit Jahren haben wollte. Damit werde ich soweit üben dass ich vernünftige Aufnahmen machen kann. Das ist eigentlich mein nächster Plan. Dann geht es weiter wenn ich wieder da bin. Die Sweet Sister Pain CD kommt während meiner Abwesenheit heraus. Dann werden wir ein Showcase spielen. Wahrscheinlich Ende November, Anfang Dezember. Im Februar wird ja dann die zum neuen Gregorian Album gehörende Tournee beginnen. Das ist ebenfalls sehr spannend weil Frank schon mal angedeutet hat, dass wir evtl. mehr als 3 Musiker auf der Bühne haben. Vielleicht werden wir noch jemanden dazu nehmen, vielleicht werden wir auch ein paar Gäste haben. Mal sehen, wie sich das Ganze entwickelt.

 

M: Gut! Du bist also nächsten Monat in Japan und das heißt, dass die Gregorian Russland Tournee ein anderer Gitarrist begleiten wird?

G: Die Gregorian Tournee in Russland kann ich nicht mitmachen, das hat sich einfach überkreuzt. Ich habe die Bestätigung von Sarahs Tournee einfach früher bekommen; zu dem Zeitpunkt, an dem einfach noch nicht raus war ob Gregorian in Russland überhaupt stattfindet. Letztes Jahr hat auch Jörn Heilbutt mit Gregorian in Russland gespielt, der kennt das Repertoire. Deswegen war es kein Thema; wenn beides gleichzeitig stattfinden sollte, teilen wir uns halt irgendwie auf. Diesmal hat es leider nicht ganz so geklappt; weil Jörn krank ist kann er nicht spielen, aber Mike, der schon 2008 auf Weihnachtstournee mit Gregorian war, spielt dann in Russland. M: Weißt Du wer in Russland an Schlagzeug und Keyboard dabei sein wird? Am Schlagzeug wird Martin Hesselbach sitzen, der hat jetzt schon die letzten Konzerte gespielt wie Du ja gesehen hast und am Keyboard steht Carsten Heusmann.

 

M: Sehr schön. Dann möchte ich mich bei Dir für Deine Zeit bedanken. G: Bitte. War mir ein Vergnügen wie immer. M: Hast Du noch ein paar abschließende Worte für die Leser dieses Interviews?

G: Ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn das Gregorian Album allen so gefallen würde wie es uns hier gefallen hat. Wir sind total begeistert davon. Ich habe wie gesagt die meisten Sachen leider noch nicht in der endgültigen Masterversion gehört, sondern nur die ursprünglichen Aufnahmen, aber ich finde sie absolut super. Ich würde mich wirklich freuen wenn die Fans auch so begeistert sind und wenn man einfach merkt, wie viel Liebe und Mühe in diesem Album steckt Ich hoffe natürlich, dass wir uns nächstes Jahr auch auf dieser ausgedehnten Europatournee sehen, dass wir uns generell noch viele Jahre lang treffen werden, weil man sich mit einigen Fans inzwischen richtig angefreundet hat. In vielen Städten gibt es Leute, denen man jedes Jahr wieder begegnet, das würde man schon vermissen. Also vielen vielen Dank an alle Fans.

 

M: Vielen Dank an Dich!

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